Energiekonzept Kommune: Energiekonzepte der Bürger:innen

Energiekonzept Kommune: “Auch Bürgerinnen und Bürger können einen Unterschied machen”

Der junge Stadtplaner Max Thiele (25) blickt voller Zuversicht in die Bauwelt der Zukunft. Seiner Meinung nach braucht es vor allem langfristige Lösungen und gute Kommunikation, um die Energiewende weiter voranzutreiben. (Foto: Max Thiele)

Max Thiele ist direkt nach seinem Climate-Change-Management-Master als Stadtplaner und Ingenieur in die Berufswelt eingestiegen. In unserem Gespräch erzählt er, wie er als Stadtplaner zur Energiewende beiträgt und wie auch Bürger:innen einen kleinen aber feinen Unterschied in ihren Kommunen machen können. Er verrät uns, welche Hindernisse es gibt, was die Politik ändern sollte und was seiner Meinung nach der Schlüssel zu einer schnelleren Energiewende ist.

 


Interview mit Max Thiele, Stadtplaner in Würzburg

Steckbrief

Name Max Thiele

Alter 25

Position 
Stadtplaner und Ingenieur in Würzburg  Planungsschmiede Braun Ingenieurbüro für Bauwesen

Wohnort Würzburg 

Credo 
Die Stadtplanung sollte langfristige und nachhaltige Strategien der Energiewende vorantreiben, indem grüne Infrastrukturen gefördert und Begegnungsräume geschaffen werden.

Beispiele 
In seinem Climate-Change-Management-Masterstudium an der Hochschule Weihenstephan Triesdorf (HSWT) und in Projekten der Stadtplanung
 


Herr Thiele, welchen Beitrag leisten Sie in Ihrem Job zur Energiewende?

Die Aufgabe eines Stadtplaners ist es, nicht nur die Gemeinschaft der Bürger:innen auf den grünen Zweig zu führen und alle Interessen in der Planung zu würdigen, sondern auch nachhaltige Stadtentwicklung aktiv mitzudenken und die neuen technischen Möglichkeiten, wie etwa Solarenergie, auszuloten. Dies ist sehr komplex, und die Prozesse dauern sehr lange, sind jedoch wichtig, insbesondere wenn langfristige Rahmenbedingungen mitbedacht werden. Wenn man diese Aufgabe bereits angeht, sollte man sie auch gleich richtig angehen.

Kommunale Energiekonzepte: Von PV-Anlagen hin zu Niedrigtemperaturasphalt

An welchen Projekten wirken Sie aktuell mit, um die Energiewende voranzutreiben?

In der Bauleitplanung haben wir aktuell ein ziemlich großes Projekt in einem Gewerbegebiet für ein weltweit bekanntes Unternehmen. Diese Zusammenarbeit gestaltet sich äußerst produktiv, denn die Ansprechpartner:innen haben eine umfassende Fachkenntnis und wollen einen Beitrag zur Energiewende leisten. Ein Beispiel hierfür ist die Integration von Fassadenbegrünung, die nicht nur ästhetisch, sondern auch ökologisch relevant ist. Zudem setzen wir verstärkt auf Photovoltaikanlagen. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass diese Maßnahmen sowohl den Interessen der Auftraggeber als auch den Zielen der Energiewende dienen.

Parallel dazu planen wir aktuell viele Radwege und Gehwegkonzepte, welche indirekt zur Energiewende beitragen, indem sie CO2-Emissionen reduzieren. In einem spezifischen Projekt werden beidseitig getrennte Radwege realisiert. Dies erfordert eine Verengung der Straße und eine Geschwindigkeitsbegrenzung in städtischen Bereichen auf unter 60 km/h. Dies spart nicht nur CO2, sondern auch Aerosole.

Ein weiterer interessanter Aspekt betrifft unsere jüngste Auseinandersetzung mit dem Einbau von Niedrigtemperaturasphalt. Wir hatten im Büro dazu erst eine Besprechung und haben eine Baustelle besichtigt, um uns tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Also beim Einbau von herkömmlichem Asphalt werden hohe Temperaturen benötigt, üblicherweise zwischen 140 und 195 Grad Celsius, was mit einem erheblichen Energieaufwand verbunden ist. Durch den Einsatz von Niedrigtemperaturasphalt können sowohl Energie- als auch CO2-Einsparungen erzielt werden, und gleichzeitig wird die Belastung von Aerosolen für die Arbeitenden verringert.

“Gute Kommunikation mit und zwischen den Bürger:innen”

Welche Faktoren sind für Sie entscheidend, damit die Energiewende gelingt?

Eine gute Kommunikation mit und zwischen den Bürger:innen sehe ich als einen wichtigen Faktor bei der Energiewende an. 

Die Beteiligung von Bürgerinitiativen spielt dabei eine zentrale Rolle. Insbesondere im Kontext von Flächennutzungsplänen, die die zukünftige Entwicklung einer Region festlegen. In Flächennutzungsplänen handelt es sich um Gebiete, die potenziell in der Zukunft genutzt werden können, aber nicht zwingend genutzt werden müssen, wie zum Beispiel für Wohnbebauung oder Gewerbegebiete. Jede:r Bürger:in hat das Recht, an diesen Plänen mitzuwirken und ihre:seine Meinung bei der Gemeinde kundzutun, sei es mit einer Zustimmung oder einer Ablehnung. Auch Bürgerinitiativen, wie beispielsweise der BUND e.V., verfassen regelmäßig Stellungnahmen.

Obgleich diese Stellungnahmen theoretisch nicht rechtlich bindend sind, halte ich sie für relevant. Eine vernünftige Berücksichtigung ist unerlässlich, um eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewährleisten. Insgesamt betrachte ich die Kommunikation mit allen relevanten Parteien als äußerst bedeutend, um die angestrebten und gewünschten kommunalen Energiekonzepte erfolgreich umzusetzen.

“Wenn alle an einem Strang ziehen” können wir voraussichtlich die Hindernisse der Energiewende überwinden

Was halten Sie für das größte Hindernis bei der Energiewende?

Ich glaube, ein großes Hindernis für die Energiewende wird die Umrüstung der bestehenden Stadtstrukturen sein. Mit Denkmalschutz ist nicht zu spaßen (schmunzelt). Natürlich zu Recht. Der Denkmalschutz stellt jedoch eine Herausforderung dar, da Veränderungen an historischen Gebäuden und Strukturen oft auf Widerstand bei Behörden stoßen. Das Durchbrechen existierender Strukturen erfordert daher eine effektive Kommunikation und setzt oft einen langwierigen Prozess mit den entsprechenden Behörden voraus. Natürlich ist das bei jeder Stadt unterschiedlich. 

Man denkt oft, dass Behörden ineffizient sind. Es gibt aber sehr viele engagierte Fachleute in den Behörden, die einen persönlichen Antrieb haben, positive Veränderungen herbeizuführen und die Energiewende zu unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist eine größere Gemeinde in Unterfranken, die vorbildlich agiert.

Meiner Meinung nach können also die Stadtverwaltung, die Bürger:innen und die Unternehmen prinzipiell Hindernisse darstellen. In den meisten Fällen sind sie es aber nicht. Mit viel Kommunikation und Beteiligung der Bürger:innen, den verschiedenen Stadtwerken sowie Behörden kann man einiges bewegen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Ein weiteres erhebliches Hindernis liegt in der Finanzierung. Fördermittel sind entscheidend, um den Umbau der bestehenden Strukturen zu ermöglichen. Mit zusätzlichen finanziellen Ressourcen durch Förderungen und staatliche Unterstützung könnte die Energiewende beschleunigt werden. 


Welcher Schritt war bisher der wichtigste in der Energiewende, und wie können wir dort anknüpfen?

Die entscheidendste Maßnahme in der Energiewende bisher war die Integration erneuerbarer Energien in die städtische Infrastruktur, insbesondere durch die Nutzung von Solarenergie in urbanen Gebieten. Ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt im Bereich Straßenbau. Seit dem Studium mussten wir immer darauf achten, dass es weniger Individualverkehr gibt und der Verkehr mehrere Personen gleichzeitig bedienen kann. 
Dieses Wegkommen vom Individualverkehr – wie etwa einem Auto pro Person – hin zu einem öffentlichen Personennahverkehr sowie die Integration erneuerbarer Energien in städtische Infrastrukturen sind entscheidende Schritte.
Um hier anzuknüpfen, sollte weiterhin in die Förderung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Verkehrskonzepte investiert werden, begleitet von gezielter Aufklärung über die Vorteile dieser Entwicklungen.

Kommunale Energiekonzepte dank Bürger:innen ermöglicht: “Denn sie fanden ihren Dorfplatz zu grau”

Wie können Bürger:innen einen kleinen, aber feinen Unterschied in ihren Kommunen machen?

Mit aktiver Bürgerbeteiligung. Ein konkretes Beispiel ist ein Dorfprojekt, bei dem engagierte Bürger:innen den Wunsch nach einer ansprechenderen Dorfplatzgestaltung äußerten. Denn sie fanden ihren Dorfplatz zu grau und nicht einladend. Durch ihr Engagement für eine lebendige Gemeinschaft und den Wunsch nach weniger Grau und mehr Grün, konnten wir mehr grüne Infrastruktur und Begegnungsräume in die Planung integrieren.

Auch in städtischen Räumen teilen viele Menschen die Begeisterung für die Natur und wünschen sich mehr Grün in der Stadt. Das hat zur Folge, dass mehr Parks, Grünflächen oder Dachbegrünungen entstehen. Diese Maßnahmen haben zahlreiche Vorteile, von Luftreinigung bis zur Verbesserung der Wärmedämmung.

Wenn zum Beispiel Menschen in Unterfranken ihr Dorf zu grau finden und eine Dorferneuerung in die Wege leiten möchten, gehen sie auf das Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken, um eine Förderung zu beantragen. Die Förderung ist an bestimmte nachhaltige Kriterien gebunden, darunter auch der Einsatz von Grün in der Dorfplanung. Hier kommt die Expertise eines Stadtplaners ins Spiel, der einen umfassenden Plan für die Dorferneuerung erstellt. Das ist die Richtung der Stadtplanung, auf die ich mich aktuell fokussiere. 

In diesem Plan werden nicht nur Leitungen, Kabelkanäle und Straßenbau berücksichtigt, sondern auch die Integration von mehr Grünflächen sowie die Reduktion von C02. Dabei steht wieder das langfristige Denken im Vordergrund, um die Stadtplanung so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Dazu gehört auch, den Individualverkehr zu verringern und mehr Radwege für Radfahrer:innen zu schaffen. Dafür haben wir in einem Projekt nicht nur einfach die Löcher in der Straße geflickt, sondern auch die Straßen verengt, die Geschwindigkeit reduziert, auf beiden Seiten eine eigene Spur für Radwege gebaut und mehr Bäume und Grün gepflanzt.

Gesetze alleine reichen nicht aus

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesetzgebern?

Dass die Gesetze die Umsetzung von Energiewende-Maßnahmen erleichtern und fördern. Ein entscheidender Punkt ist beispielsweise der Artikel 44a der Bayerische Bauordnung (BayBo). Der besagt, dass Solaranlagen bei einer Dachgröße von über 50 Quadratmeter installiert werden müssen. Es gibt da zwar noch mehr zu beachten, aber das geht jetzt zu sehr ins Detail. Aber diese Bauordnung ist sehr interessant für uns, wenn wir Industrie- und Gewerbegebiete ausschreiben. Denn wir müssen nicht mit Firmen diskutieren, ob sie eine Solaranlage installieren wollen, da die Solartechnologie bis zu einem gewissen Maß gesetzlich verpflichtend ist. Perspektivisch halte ich auch Solardachziegel für interessant, insbesondere im Kontext von Denkmalschutzprojekten. Obwohl ich mich noch nicht im Detail damit auseinandergesetzt habe, sehe ich hier Potenzial für innovative Lösungen.

Dennoch betone ich, dass Gesetze allein nicht ausreichen. Die Unterstützung und Begeisterung der Gemeinschaft sind entscheidend. Daher plädiere ich dafür, an Schulen Umweltbildung fest in den Lehrplan zu integrieren und AGs sowie Projekte zu fördern. Meiner Meinung nach ist es wichtig, Lehrkräften die Ressourcen und Unterstützung zu bieten, um Umweltthemen in den Unterricht zu integrieren.

Zusammengefasst glaube ich, dass Bildung, Wissenschaft und Begeisterung für die Natur die Grundsteine für eine schnellere Energiewende sind. Langfristige Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützungen sind dabei ebenso entscheidend, um nachhaltige Entwicklungsprojekte zu fördern und zu schaffen. 

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

 

Interviewreihe: Schöne, neue Energiewelt

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