Solar Architekt: Interview mit Stefan Schramm ☀ Autarq

Solar-Architekt Schramm begeistert mit seinem Solardach das ganze Dorf

Stefan Schramm (52) hat sich mit seiner Familie in Aidling niedergelassen, einem bayerischen Dorf im Blauen Land. Dort hat er erst sein Wohnhaus mit Büro und nun, nebenan, ein Gästehaus gebaut und es komplett mit Solardachziegeln von Creaton (mit Technologie von Autarq) gedeckt. Nach der Fertigstellung im Mai 2024 werden die 1600 Ziegel ca. 13.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen und damit den gesamten Strombedarf der vierköpfigen Familie decken (Foto: Stefan Schütz).

Obwohl noch im Bau, sorgt Stefan Schramms Gästehaus nahe des Riegsees schon für Furore: Das gesamte Dach ist mit Solardachziegeln gedeckt. Auf PV-Module, die sich schön ins Dach und obendrein in jede Bauordnung fügen lassen, hat der Architekt lange gewartet. Im Interview erläutert er, warum jedes Gebäude zu Solararchitektur werden sollte.

Ihr Gästehaus wird in Aidling gebaut, einem alten bayerischen Dorf im Landkreis Garmisch-Patenkirchen. Dort sieht man so gut wie keine Photovoltaik auf den Dächern. Auch nicht auf Ihrem eigenen Wohnhaus, das Sie erst kürzlich gebaut haben. Wie kommt das?

Aidling ist in seiner Baustruktur und Architektur historisch geprägt von der Landwirtschaft. Die den Ort prägenden Gebäude sind zum Teil noch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurden oft über viele Generationen vererbt. Die Gebäude verfügen meist über einen Dreiklang in ihrer Materialität und Nutzung. So dient das über alle Geschosse verputzte Kopfgebäude als Wohnhaus, im hinteren Gebäudeteil befindet sich im Erdgeschoss meist der Stall mit den üblichen Stallfenstern und darüber die Tenne mit ihrer Holzfassade. Die Dächer sind mit roten Dachziegeln eingedeckt. 



Um dieses ortsübliche Erscheinungsbild zu erhalten, wurde bereits sehr früh eine Ortsgestaltungssatzung erlassen, die diese Elemente auch bei Sanierungen, Umbauten und Neubauten vorschreibt.

Die großformatig aufgeständerten, meist schwarz-bläulichen Photovoltaikanlagen, die üblicherweise verbaut werden, stören dieses Erscheinungsbild erheblich. Dies wollten wir vermeiden und haben nach Alternativen gesucht.

Für Solar-Architekten gehört auf jedes Dach heutzutage eine PV-Anlage

Auf Ihrem Wohnhaus haben Sie also auf Solarmodule verzichtet. Wären Ihnen die „schwarzen Flecken“, wie Sie klassische PV-Paneele nennen, ein Greuel gewesen?

Ja, richtig. Wir wollten bei unserem Wohnhaus ursprünglich eine Brennstoffzelle einsetzen. Diese kam aber leider aufgrund verschiedener Faktoren nicht zum Einsatz. Da das Dach zu dem Zeitpunkt bereits gedeckt war, wollen wir nun versuchen, auf dem Dach unseres Gästehauses nebenan mit PV-Modulen Strom zu gewinnen.

 

Für mich als Architekt ist es eigentlich selbstverständlich, dass im Prinzip auf jedes Gebäude eine PV-Anlage gehört. Wichtig ist mir aber auch, dass die Architektur hierbei nicht leidet. Genau aus diesem Grund kam bei unserem Neubau nur die kleinformatige, rote Solardachziegel von Creaton und Autarq in Frage. Nachdem uns Autarq diese Dachziegel vorgestellt hat, war die Entscheidung in wenigen Minuten gefallen.

 


Was muss eine PV-Dachanlage erfüllen, damit Sie das Erscheinungsbild eines Hauses nicht stört? 

Sie muss möglichst kleinteilig sein, um auch komplexe Dächer, mit verschiedenen Dachteilen, Dachfenstern, Kaminen, Oberlichtern, Entlüftern etc. großzügig und homogen belegen zu können.

 

Sie fahren bereits ein Elektroauto. Hat Aidling schon eine Ladestation oder wo haben Sie das bisher geladen? 

Meine Frau und ich fahren seit gut vier Jahren jeweils ein Elektroauto. Wir laden sie ganz bequem an unserer Wallbox in der Garage. Und zwar mit grünem Wasserkraftstrom, den wir von unserem Stromanbieter beziehen.

In der Solararchitektur muss Photovoltaik von Anfang an mitgedacht werden

Ihr Gästehaus ist seit Mai 2023 im Bau, der Rohbau steht. Hatten Sie von Anfang an Photovoltaik auf dem Dach eingeplant? 

Ja, bereits bei der Planung für unser „Flachshaus“ war für uns klar, dass unbedingt eine eigene Stromproduktion auf dem Dach erfolgen soll. Wir wollen ja unser langfristiges Energiekonzept mit Wärmepumpe und Elektromobilität möglichst komplettieren, indem wir nicht nur Ökostrom beziehen, sondern vor allem selbst erzeugen.

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Stefan Schramms Gästehaus fügt sich architektonisch in die örtliche (und obligatorische) Bauweise: massives, später verputztes Mauerwerk mit rot gedecktem Satteldach. Allein die Solardachziegel sind ein Novum und fügen sich harmonisch und zu aller Begeisterung ins tradierte Dorfbild (Foto: Stefan Schramm).

Was bedeutet der Begriff „Flachshaus“? 

Der Name „Das Flachshaus“ ist entstanden, weil die Region Blaues Land Jahrhunderte lang durch den Flachsanbau geprägt war. Als Reminiszenz an diese Zeit haben wir den Namen für unser Gästehaus wieder aufleben lassen. Auch damit unsere Gäste die Region besser verstehen, aber auch damit nicht in Vergessenheit gerät, was man aus dem blau blühenden Flachs alles machen kann: Leinöl, Leinsamen, Leinfarben, aber auch feine Leinenstoffe, Seile und übrigens auch Dämmstoff. Selbstredend kommen genau diese Produkte in unserem Gästehaus zum Einsatz.
 

Im „Flachshaus“ entstehen zwei großzügige Ferienwohnungen. Welches Energiekonzept hat das Haus, wie wird geheizt bzw. Warmwasser erzeugt?

In Aidling wird gerade ein gemeinschaftliches Nahwärmenetz mit einer Hackschnitzelanlage errichtet, die alleine durch die umliegenden Wälder versorgt wird. Um dieses Projekt zu unterstützen, aber auch um umweltfreundlich zu heizen, haben wir uns an diese Versorgung angeschlossen. So stärken wir ja auch eine heimische und autarke Wärmeversorgung, etwas, was die Ampel deutschlandweit gerade erst beschlossen hat… 

 

Hätte die Gemeinde Ihnen auch schwarze, aufgesetzte PV-Module genehmigt?

Schwarze Dachziegeln mit oder ohne Photovoltaik wären nicht genehmigt worden. Die üblichen schwarzen Flecken auf einem roten Dach hätte man allerdings akzeptiert. Die allerbeste und auch optisch schönste Lösung ist es nun für uns natürlich, die roten Solardachziegel einzusetzen. Darüber hat man sich hier im Ort sehr gefreut.

Solardachziegel überzeugen Bauwillige aus dem Stand

Wie sind Sie auf die Solardachziegel von Creaton und Autarq aufmerksam geworden? 

Ich habe aus einer Fachzeitschrift vor ca. 5 Jahren von Autarq erfahren. In einem Kundengespräch vor ca. 3 Jahren kam dann das Thema wieder auf, und wir hatten die Gelegenheit den Autarq-Mitbegründer Cornelius Paul kennenzulernen. Durch unser Gespräch und eine detaillierte Präsentation wuchs das Vertrauen und wir gingen tiefer in die Planung. 
 

Mussten Sie Überzeugungsarbeit bei den Ämtern für die neuartige PV-Gewinnung leisten? Oder wurden Sie sogar unterstützt, z.B. mit regionaler Förderung?

Für die Ämter waren die PV-Dachziegel noch recht neu, aber als wir den Beteiligten Fotos von realisierten Dachflächen zeigten, verschwanden deren Zweifel schnell. Und nach Fertigstellung des Daches war die Begeisterung groß. Eine Förderung haben wir aber nicht erhalten.
 


Fehlt es Ihrer Meinung nach an den passenden Solarmodulen für eine ästhetische Integration in die Architektur, oder fehlt es den Bauwilligen an Einsicht bzw. Willen? Oder ist sie vielen schlichtweg zu teuer?

Die Lösungen kommen ja langsam auf den Markt, aber von fünfzehn Kunden, denen ich die Solardachziegel in den letzten Monaten vorgeschlagen habe, konnte ich leider nur einen überzeugen. Die restlichen sind aufgrund der hohen Investition zu den konventionellen Lösungen zurückgegangen, obwohl es Projekte im gehobenen Wohnungsbau betraf.
 

Sie haben sämtliche vier Dachschrägen Ihres „Flachshauses“ flächendeckend mit Solardachziegeln eingedeckt. Normalerweise deckt man nur die nach Süden und Westen geneigten Flächen… 

Das Gebäude ist leicht verdreht, so dass es keine reine Norddachfläche gibt. Wir haben alle Flächen belegt, um möglichst zu allen Tageszeiten eine Ausbeute zu haben. 
 

Wie viele Solardachziegel wurden gesetzt? Und mit wie viel kWh-Ertrag rechnen Sie?

Es wurden ca. 1600 Ziegel verbaut und wir rechnen mit knapp 13.000 kWh-Stromgewinn im Jahr. Eine Dachziegel erzeugt ca. 8 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

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Das Haus ist verdreht gesetzt, sodass keine der vier Dachflächen ausschließlich in eine bestimmte Himmelsrichtung weist. Somit generiert jede Dachfläche im Laufe des Tages Sonnenenergie – wenn auch gelegentlich, je nach Jahreszeit und Sonnenstand, nur kurz (Foto: Stefan Schramm).

Ihr Haus (obwohl es das gar nicht gemusst hätte, weil schon 2022 genehmigt) wird vermutlich das neue GEG, wonach ab 2024 Neubauten 65 Prozent nachhaltige Energie nutzen müssen, locker erfüllen, oder?   

Das haben wir nicht errechnen lassen, weil die einzelnen Bauteile wie Außenwände, Bodenplatte und Dach ohnehin weit mehr gedämmt sind als gefordert.
 

Wie haben Sie einen Dachdeckerbetrieb gefunden, der schon PV-Ziegel montieren kann? 

Ich habe den Dachdecker meines Vertrauens, Herrn Krippner von der Zimmerei Samm in Uffing, davon überzeugen können, dass die Zeit reif ist, einen neue Dachlösung anzubieten.
 

Wie verlief das Dachdecken, das ist ja alles noch Neuland für alteingesessene Gewerke…?   

Herr Krippner und seine motivierte Mannschaft erhielten bei der Verlegung der ersten Dachziegeln eine Einweisung durch Autarq. Danach war die Verarbeitung klar…
 

Als Architekt, der schon viele alte Gebäude modernisiert hat und auch immer Rücksicht auf den Ort nimmt, wo er baut, müsste Ihnen die Solardachziegel ganz neue Perspektiven eröffnen. Klassische, aufgesetzte PV-Module finden sich auf den Dächern Ihrer bisherigen Bauten jedenfalls nicht, oder?

Richtig! Ich habe immer auf so eine Lösung gewartet und mich natürlich sehr gefreut, eine so schöne und hochwertige Lösung gefunden zu haben. Bisher war es sehr schwierig so zu bauen, dass nicht am Ende PV-Paneele die Ansicht des Hauses wieder stören.

Bisher war es ja auch kaum möglich, komplexe Dachflächen optisch anspruchsvoll, also vollflächig mit Photovoltaik zu bedecken. Es blieben immer Restflächen übrig, das sah irgendwie immer nach Stückwerk oder Notlösung aus.



Sie wünschen sich eigentlich auf jedem Haus eine PV-Anlage. Woran liegt es Ihrer Erfahrung nach, dass es noch so wenige sind? 

Ästhetische Lösungen wie Solardachziegel sind erst seit kurzem auf dem Markt und werden durch höhere Nachfrage bzw. stärkere Produktionszahlen vermutlich günstiger, so dass sie auch für eine breitere Käuferschicht interessant werden.

Aus Sicht eines Solar-Architekten müssen auch Baustoffe die Ressourcen schonen

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Für Stefan Schramm, der schon in den 90er-Jahren Heizungen mit Wärmepumpen plante, sollte jedes Haus eine PV-Anlage haben, energetisch weitgehend autark, recyclebar gebaut und rundum natürlich begrünt sein. Der Solararchitekt hat vor seinem Architekturstudium eigenhändig Oldtimer restauriert – vom Getriebe bis zur Radkappe (Foto: Stefan Schütz).

Welche Rolle fällt Architekten in Zeiten des Klimawandels zu? Müsste nicht jeder eine Art Solararchitekt sein? Ist die Energiewende überhaupt denkbar ohne Photovoltaik?

Für uns als Architekten sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, bereits zu Beginn der Planung Ressourcen-schonend zu arbeiten. Es fängt schon bei der Umnutzung von Altbestand anstelle eines Abrisses mit anschließendem Neubau an. 



Und bedeutet außerdem: möglichst wenig Flächen zu versiegeln; das Gebäude intelligent auszurichten bzgl. der Himmelsrichtungen; Gründächer zu planen und alte Bäumen zu erhalten; Wasserläufe und Teiche zu realisieren, genauso wie regionale, tierfreundliche Pflanzen und regionale Produkte zu verwenden. 



Auch das Bauen selbst muss ökologischer werden: Die Bauteile sollten möglichst monolithisch oder trennbar sein und damit wiederverwertbar. All diese grundlegenden Weichenstellungen führen dazu, möglichst wenig Ressourcen und Energie für den Bau und den Unterhalt der Immobilie zu benötigen. 



Das klingt sehr ambitioniert, um nicht zu sagen idealistisch…

Mag sein, ist aber erstens nötig und zweitens machbar: In diesen ersten Schritten kann bereits eine enorme, nachhaltige Ersparnis unserer Ressourcen erfolgen. Wenn dann noch eine nachhaltige Beheizung und/oder Kühlung durch z.B. Geothermie oder gemeinschaftliche Energiekonzepte erfolgt, wird das Projekt in der Planung und dem damit verbundenen Grundgedanken abgerundet. Die dezentrale Stromerzeugung wird nicht zuletzt durch den Einsatz von Wärmepumpen, Elektroautos etc. ein immer wichtigerer Faktor. 


Es ist also mehr denn je an der Zeit, sinnvolle Lösungen zu entwickeln und Strom mit Bauteilen zu produzieren, die ohnehin am Gebäude benötigt werden. Der Idee der Doppelnutzung z.B. durch PV-Module in Fassadenelementen, Verschattungsflächen oder eben Dächern kommt eine immer größere Bedeutung zu. Das senkt im Übrigen auch die Kosten und steigert die ästhetische Akzeptanz.

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Das abgewinkelte Gästehaus hat vier Dachflächen, die fast komplett mit roten Creaton-Solardachziegeln gedeckt sind (Technologie von Autarq). Die Bauordnung von Aidling erlaubt nur rote Dachziegel, weshalb nun alle im Dorf erfreut sind über diese elegante Solarlösung (Foto: Stefan Schramm).

Energieberater und Solar-Architekten sind enge Partner bei der Planung

Verstehen Sie sich eigentlich auch als Energieberater bzw. bieten Sie diese Dienstleistung an oder ist diese Anforderung ohnehin in Ihrer Planung enthalten? 

Als Architekt ist es mir ein Anliegen bei der Beratung meiner Kunden und bei der Planung meiner Projekte alles dafür zu tun, die zuvor beschriebenen Weichen frühzeitig zu stellen. Bei der Umsetzung der Ideen arbeite ich gerne mit den entsprechenden Energieberatern zusammen. Nur so kann eine sinnvolle, nachhaltige Architektur entstehen. 


Bereits meine ersten Projekte folgten dieser Regel und erhielten schon in den 90er Jahren Wärmepumpen, Luftheizungen, PV-Anlagen und später Schluckbrunnen oder Eisspeicheranlagen – egal ob Etagenwohnung, Einfamilien-, Mehrfamilien- oder Ferienhaus.


Für Aidling ist Ihr Solardach sicherlich ein Novum. Gibt es schon Resonanz unter den knapp 500 Einwohnern? 

Ja, nachdem sich herumgesprochen hat, dass es PV-Dachziegel sind, gibt es kaum jemanden, der nicht stehen bleibt und die Fläche in Augenschein nimmt. Die Fragen beantworte ich als Architekt natürlich gerne….
 

Können Sie sich vorstellen, auch Teile der Gebäudehülle solarenergetisch zu aktivieren bzw. Häuser so zu entwerfen, dass sie möglichst viel Sonnenenergie gewinnen können?

Ich plane gerade für ein aktuelles Projekt genau diesen Ansatz.


Wir sind gespannt! Vielen Dank für das Gespräch.

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